Aufbau eines systematischen Fortbildungskonzeptes
Einleitung
Fortbildung ist kein Selbstzweck – sie muss greifen, wo Schulen sich weiterentwickeln wollen. Damit das gelingt, braucht es mehr als ein gutes Bauchgefühl. Eine fundierte Bedarfsanalyse ist das A und O, um Fortbildungsangebote so zu gestalten, dass sie wirklich etwas verändern. Sie bringt Schulziele, Interessen der Lehrkräfte und aktuelle Herausforderungen auf einen Nenner und hilft dabei, Prioritäten zu setzen.
Systematische Entwicklung
Ein systematisches Fortbildungskonzept für Lehrkräfte folgt einem klaren, zyklischen Prozess, der sich an den schulischen Entwicklungszielen und den Bedarfen der Lehrkräfte orientiert.
Übersicht
| Schritt | Beschreibung |
| 1. Bedarfsanalyse | Ermittlung des Fortbildungsbedarfs |
| 2. Zielsetzung | Festlegung von Entwicklungszielen |
| 3. Planung | Auswahl von Maßnahmen, Formaten, Zeitrahmen |
| 4. Durchführung | Umsetzung der geplanten Fortbildungen |
| 5. Transfer | Sicherung des Praxistransfers und nachhaltigen Lernens |
| 6. Evaluation | Überprüfung und Fortschreibung des Konzepts |
1. Bedarfsanalyse
Eine Bedarfsanalyse orientiert sich nicht allein an den aktuellen Bedürfnissen, die von außen reingetragen werden. Eine kluge Bedarfsanalyse ist der Schlüssel zu wirksamer Fortbildung. Sie verbindet Strategie mit Praxis, berücksichtigt sowohl das große Ganze als auch individuelle Perspektiven – und sorgt dafür, dass Fortbildung nicht als Pflichttermin, sondern als echter Mehrwert erlebt wird. Wer systematisch analysiert, kann gezielt fördern – und nachhaltige Entwicklung gestalten.
Eine wirksame Fortbildungsplanung beginnt mit einer klaren Frage:
Was brauchen wir wirklich – und warum?
Dafür lohnt sich der Blick auf vier zentrale Quellen:
- Schulische Entwicklungsziele
- Individuelle Wünsche der Lehrkräfte
- Erkenntnisse aus Fachkonferenzen
- Aktuelle Herausforderungen
Die Schulprogrammarbeit gibt die Richtung vor: Soll der Unterricht digitaler werden? Wird individuelle Förderung stärker betont?
Jede strategische Entscheidung auf Schulebene erzeugt automatisch Fortbildungsbedarf. Ziel ist es, die Kompetenzen des Kollegiums so zu stärken, dass die gesetzten Ziele in einem definierten Zeitraum realistisch umsetzbar sind.
Motivation entsteht, wenn Fortbildungen den eigenen Interessen und Entwicklungsfeldern entsprechen. Lehrkräfte wissen selbst oft am besten, wo sie noch unsicher sind oder neue Impulse brauchen – sei es in der Diagnostik, beim Classroom-Management oder beim Einsatz neuer Medien.
In Fachgruppen zeigt sich, wo es fachlich hakt oder was weiterentwickelt werden muss – z. B. bei der Umsetzung neuer Lehrpläne, Leistungsbewertung oder Methodenvielfalt. Diese Erkenntnisse sollten systematisch gesammelt und in die Planung einbezogen werden.
Gesellschaftliche und technologische Entwicklungen erzeugen neue Anforderungen: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz im Unterricht, neue Bildungspläne oder der Umgang mit Heterogenität. Wer hier nicht Schritt hält, riskiert Rückstand. Diese Themen müssen gezielt adressiert werden.
Methoden der Analyse
Damit aus Ideen und Einzelwünschen eine tragfähige Planung wird, braucht es systematische Instrumente der Analyse. Drei Methoden haben sich besonders bewährt:
Online – Befragungen zur Ermittlung vorhandener und fehlender Kompetenzen
Online-Umfragen liefern schnell ein umfassendes Bild, wenn sie prägnant und zielführend sind. Dabei kann man auf bestehende Systeme (Umfragemodule in Lern-Management-Systemen, Schulplattformen) oder datenschutzkonformen, externe Umfragesysteme zugreifen.
Analoge Fragebögen erzeugen hingegen bei der Auswertung einen Mehraufwand, der sich im Schulalltag kaum vertreten lässt.
Mind Maps
Gerade bei Teamsitzungen oder pädagogischen Tagen können Mind Maps helfen, Gedanken zu sammeln und Zusammenhänge sichtbar zu machen. Wer braucht was – und warum? Welche Themen überschneiden sich? So entstehen erste Cluster, aus denen sich Schwerpunkte ableiten lassen.
Checklisten
Checklisten zur Selbsteinschätzung unterstützen Lehrkräfte dabei, ihren Fortbildungsbedarf systematisch zu reflektieren – etwa in Bezug auf Unterrichtsqualität, Diagnostik oder digitale Kompetenzen. Gleichzeitig erleichtern sie die Vergleichbarkeit der Ergebnisse und das Aufspüren gemeinsamer Bedarfe. Diese Checklisten empfehlen sich in den Fachbereichen und im Rahmen kleinerer Umfragen.
2. Zielsetzung
- Legen Sie klare Ziele für die Fortbildung fest, die sowohl die Entwicklung des Kollegiums als auch die Schulentwicklung unterstützen.
- Definieren Sie das gewünschte Qualifikationsprofil (Soll-Zustand) und vergleichen Sie es mit dem Ist-Zustand des Kollegiums, um die Fortbildungsbedarfe zu konkretisieren.
Am Anfang steht die Frage:
Was muss unser Kollegium können, um unsere Ziele zu erreichen?
Effektive Fortbildung zielt immer auf zwei Ebenen:
Entwicklung des Kollegiums
Lehrkräfte brauchen gezielte Unterstützung, um auf neue Anforderungen reagieren zu können – fachlich, methodisch, technologisch. Eine gute Fortbildungsplanung nimmt individuelle Lernbedarfe ernst und fördert sowohl fachliche Expertise als auch pädagogische Handlungssicherheit.
Unterstützung der Schulentwicklung
Gleichzeitig muss Fortbildung die strategischen Ziele der Schule bedienen: Ob digitale Transformation, Ausbau von Feedbackkultur oder Stärkung inklusiver Praxis – jede schulische Veränderung steht und fällt mit dem Know-how und der Haltung des Kollegiums. Fortbildung wird hier zum Hebel für echte Entwicklung.
Die Kunst liegt darin, beides zu verzahnen: Fortbildungsziele müssen sowohl individuelle als auch institutionelle Entwicklung befördern.
Daraus ergibt sich ein Qualifikationsprofil – ein realistisches, aber ambitioniertes Bild des angestrebten Kompetenzstandes.
Beispiele für Elemente eines solchen Soll-Profils:
- Didaktische Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien
- Sichere Anwendung neuer Lehrplanvorgaben
- Kenntnisse in Diagnostik und Förderung von Lernschwächen
- Kooperations- und Feedbackfähigkeit im Team
- Kompetenz im Umgang mit Diversität und Mehrsprachigkeit
Dieses Profil macht transparent, wohin die Reise gehen soll.
Es dient als Maßstab, um Lücken zu identifizieren – und ist damit zentral für eine zielgerichtete Bedarfsanalyse.
3. Planung von Fortbildungsmaßnahmen
Nicht jeder Wunsch kann sofort umgesetzt werden. Deshalb ist es entscheidend, klare Kriterien zur Priorisierung zu definieren:
- Bezug zur Schulentwicklung: Hat das Thema einen Bezug zu den Zielen der Schule
- Verbreitung im Kollegium: Wie viele Lehrkräfte sind betroffen oder interessiert
- Dringlichkeit: Muss das Thema kurzfristig bearbeitet werden (z. B. neue Prüfungsformate)?
- Machbarkeit: Sind Zeit, Ressourcen und hauseigene Expertise vorhanden?
Ein kurzer Abgleich mit diesen Kriterien hilft, einen realistischen und fokussierten Fortbildungsplan zu erstellen.
- Planen Sie die Fortbildungsmaßnahmen: Themen, Zeitrahmen, Formate (z.B. Workshops, mehrtägige Kurse, kollegiale Hospitationen), interne und externe Angebote.
- Bestimmen Sie Verantwortlichkeiten und dokumentieren Sie die Planung nachvollziehbar.
4. Durchführung der Fortbildungen
Wie kann sich das Kollegium diese Kompetenzen aneignen: externe/interne Weiterbildung, Training, Hospitation, Selbststudium usw.?
- Setzen Sie die geplanten Fortbildungsmaßnahmen um und achten Sie auf eine praxisnahe Gestaltung, die Inputphasen mit Erprobung und Reflexion verknüpft.
- Fördern Sie den Austausch und die Zusammenarbeit im Kollegium, z.B. durch gemeinsame Fortbildungen oder Multiplikatorenkonzepte.
5. Transfer und nachhaltige Verankerung
Bereits in der Zielsetzung haben sie Weg und Zeitrahmen für die Umsetzung der Fortbildungsinhalte festgelegt.
- Planen Sie den Transfer des Gelernten in den Schulalltag systematisch, z.B. durch Nachbesprechungen, kollegiale Hospitationen oder Arbeitsgruppen.
- Unterstützen Sie die nachhaltige Umsetzung durch Follow-up-Angebote und regelmäßige Reflexion.
6. Evaluation
Duch digitale Umfragewerkzeuge können Sie verschiedene Gruppen (Lehrkräfte, Schülerschaft, Elternschaft) in die Evaluation einbinden.
- Überprüfen Sie die Wirksamkeit der Fortbildungsmaßnahmen auf mehreren Ebenen: Teilnehmerfeedback, Umsetzung im Unterricht, Beitrag zur Schulentwicklung.
Nutzen Sie die Evaluationsergebnisse zur Fortschreibung und Optimierung des Fortbildungskonzepts
7. Dokumentation
- Dokumentieren Sie alle Schritte und Ergebnisse, um Transparenz zu schaffen und die Entwicklung des Konzepts nachvollziehbar zu machen.
Praxis-Tipp:
Binden Sie das Kollegium aktiv in alle Schritte ein, um Akzeptanz und Wirksamkeit zu erhöhen. Nutzen Sie sowohl externe als auch interne Fortbildungsangebote und setzen Sie auf Formate, die nachhaltige Veränderungen ermöglichen (z.B. längerfristige Programme mit Input-, Praxis- und Reflexionsphasen).
So entsteht ein wirksames, nachhaltiges und an den Bedürfnissen der Schule orientiertes Fortbildungskonzept.
Antworten